1.000km von Hockenheim
So sollte es sein: Zwar wechselten Onno und Jens 3 x das Hinterrad und 2 x das Vorderrad mit samt der Bremsbeläge vorn (was bei dem Seriensport-"Moped" vorn eine Ewigkeit dauert), aber sie schafften die von 203 auf 184 Runden gekürzte Dauerprüfung problemlos. Beim letzten Stopp musste auch noch ein gebrochener Auspuffhalter ausgetauscht und der dort befestigte Zeitnahmetransponder wieder angebaut werden.
Onno wollte den Start der Sprintprüfung fahren und so wie Peter Eickelmann von den Kollegen der MSF Sauerland vorne weg fahren. Leider blieben seine Stiefel beim Le Mans Start stehen und er robbte auf allen Vieren von der Rennstrecke zum Motorrad. So konnte er als 8. in die erste Runde. Leider hatte zu diesem Zeitpunkt die Strecke nur eine trockene Spur von teilweise nur 20 cm Breite und diese Spur war auch nicht die Linie von Onno. Trotzdem schaffte er in der Runde vor dem Wechsel eine 2:03,173. Jens übernahm und knallte die Kawa auf den 5. Platz. Gratulation!
Eine andere Aufgabe hatte unser B-Team: Und da schreibe ich mal in der Ich-Form.
Wir wollten mit unsere neuen GSX-R 1000 K3, die wir für den Endurance-Sport aufbauen, starten. Die Suzi war zuvor eine Woche mit Jens und Onno in Rijeka. Wie immer konnten wir erst am Donnerstag um 23:30 Uhr das Bike fertig für die 1.000 km und "Seriensporttauglich" verladen. Job geht vor und Bruder Theo hatte in seiner Werkstatt vor Ostern genug zu tun.
Die Abnahme war Problemlos und das Bike stand im Park Ferme. Das Team hatte mir als "kleines Dankeschön" in einer Bierlaune den Start bei den 1.000 km nahe gelegt. Gut, es ist eine Jubiläumsveranstaltung und die hatte ich
dann auch: Vor 26 Jahre war mein letzter Start in Hockenheim. Außer 2003 einige Tage in Oschersleben mit einer 600er und 3 Runden 2004 mit der ZX 10 R hatte ich wirklich nicht viel Erfahrung mit modernen Sportmotorrädern. Zappelig oder nervös war ich dann jedoch zu meinem eigenen Erstaunen nicht. Theo fuhr den ersten Turn. Wir hatten hinten einen gebrauchten, schon ziemlich abgefahrenen Reifen von Rijeka drauf und vorne einen neuen. Nach dem Wechsel war meine erste Runde der Supergau. Schon beim Abzweig auf die neue Strecke passte mein Radius nicht. Nach der Parabolika fuhr ich ebenfalls außerhalb der Strecke über den asphaltierten Bereich. Nun mit der Meute mit und vor der Mercedes-Tribühne mal nach dem Weg fragen, denn irgendwie ging mir schon wieder die Strecke aus.....
Jetzt aber erst 'mal Ruhe! Sonst müsste ich aus Gründen der Selbstdisziplin jetzt in die Box und das Bike abstellen. Also -nichts kaputt machen, das war die gesetzte Aufgabe- und etwas früher Bremsen und schön Rund fahren. Das hatte natürlich zur Folge, dass meine Rundenzeiten mit einer Katastrophe gleich kamen. Aber immer hin, schon bald leuchtetet die Kraftstoffkontrolle und ich konnte wieder an Theo übergeben. Wir wechselten auf einen neuen Hinterradreifen und Theo konnte souverän wieder einige Löcher zufahren. Mein zweiter Turn ging dann schon etwas besser, jedoch wurde mir in jeder Ecke gezeigt wie gut diese Motorräder sind und wie gut die Jungs damit umgehen können. Zum Ende meines Turns hatte ich dann die ersten Regentropfen und Theo war wieder dran. Seine ruhige und souveräne Fahrweise ist im Regen recht sicher und zügig. Die Suzi braucht dann immer weniger Sprit und die Turns werden länger..... Theo rundete uns wieder zurück!
Leider hätten wir uns einige Strafpunkte sparen können. In der Ausschreibung stand es und ich sah es dann zu spät deutlich: Auch in der Boxengasse vor dem Abzweig ins Park Ferme ist eine Induktionsschleife. So hatten wir 185 Runden. Und die Runde zuviel brachte uns aus dem Zeitlimit.
Für den Sprint hatte ich keine Lust. Mir graute es vor einem trockenen Streifen von teilweise nur 20 cm und meiner nicht vorhandenen Erfahrung im Regen....
Theo startete absolut gut vom 44. Platz konnte aber nicht voll durchs Feld. Ein Le Mans Start hat schon seine Tücken und keiner will jemanden umfahren (vorne lag ja Onno, siehe oben) Ich ging mit Jens in die Boxengasse und wir konnten erfreut feststellen, wie Peter Eickelmann mit einem Vorsprung von der kompletten Zielgraden vor dem Feld aus der ersten Runde kam. Er hatte für sich entschlossen: Es ist trocken! Copilot Claus-Peter Eckert meinte dazu. "Was macht Peter da, muss ich jetzt in Führung übernehmen?"
Dann kam Theo rein, er hatte sich noch schnell unseren Sauerländer Freund Kay Stiefermann in der Sachs geschnappt und übergab.
Ich hatte es geahnt. Das ist nicht meine Welt. In der Ausfahrt der Boxengassen schon mal den weißen Strich genommen und den Grip-Wert geprüft! Parabolica nur 20 cm trocken keine wirklich Sicht auf der Geraden zurück. Mit Mut aber viel zu langsam die schnelle Rechts zur Mercedes-Tribühne. Die trockene Spur dort war okay, aber die Ausfahrt sah wieder komisch aus. Einfahrt Motodrom und Sachskurve war dann gut. Sauber in die Senke und: Ah Pfütze vor der langen rechts! Sch...
In meiner vorletzte Runde wurden dann vor der Mercedes-Tribühne wild mit blauen Fahnen gewedelt und ein Vierer-Pulk knallte heran. Nun gut, großer Bogen um sie vorbeizulassen. Der Bogen war dann ein wenig sehr groß. - Ich brauchte jedoch nicht mehr nach dem Weg fragen, dass hatte ich in der ersten Runde der Dauerprüfung bereits gemacht...
In der schnellen Rechts vor der Mercedes-Tribühne waren in der letzen Runde dann gelbe Fahnen, Claus-Peter Eckert von MSF Sauerland hatte beim Versuch den 3. Platz wieder zu holen beim Überrunden Pech und musste mit hohen Tempo aufs Feuchte. Er warf die Suzuki ziemlich weit weg! Schade alle hätten es dem Team gegönnt.
So wurde unser A-Team beste Sauerländer!
Fazit und Empfehlung: So faszinierend Motorradsport auch ist, und so gut moderne Serienmotorräder sind. Die 1000 km sind nicht die Veranstaltung für Anfänger: zu früh in der Saison, recht voll und hohes Niveau. Für schon ziemlich alte Hasen wie mich: Man sollte sich zumindest ein Jahr vorher mit dem Motorrad locker gemacht haben und die Strecke kennen. Ach ja, konditionell hatte ich keine Probleme und auch die Stundenturns funktionierten - aber immerhin, haben wir mit Jens ein Arzt im Team, der uns körperliche Leistungsprotokolle erstellt und Theo und ich haben durch Lauf- bzw. Triathlonsport aus der Vergangenheit eine gute Basis.
Ach und noch etwas: An all die, denen ich die Runde kaputt gemacht habe: Entschuldigung und Danke, das Ihr alle einen Bogen um mich gefunden habt!






